Der Haussegen hängt schief in Nierstein

Und zwar gewaltig. Alle guten Vorsätze, mit denen Stadtrat und Stadtadministration gestartet sind, haben scheinbar keine Bedeutung mehr. Das soziale Miteinander hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Das politische Hauen und Stechen geht weiter. Auf facebook wird diskutiert. Vertrauliche Inhalte werden an die Presse gegeben und sind brühwarm am nächsten Tag zu lesen. Sich über die Presse zu profilieren, ist im politischen Umfeld nichts Ungewöhnliches. Allerdings ist es immer wieder irritierend.

Im Kern ist das Thema nicht neu, an dem sich die Gemüter erhitzen. Es geht um den Rhein-Selz-Park und die Off-Road-Strecke. Nährt man sich dem Thema vom großen Bild zum kleinen Bild, ähnlich dem Anflug eines Flugzeuges, muss auch Selbstkritik geäußert werden.

Die Stadt Nierstein wollte und will das ehemalige Gelände der US-Amerikanischen Kaserne in Dexheim entwickeln. So wurde ein Plan entwickelt und das Gelände verkauft. Der neue Eigentümer hat von Beginn an deutlich gemacht, dass er eine Off-Road-Strecke nutzen möchte. Das war bereits damals heiß umstritten – es ging um die Lärmbelästigung für Nierstein und Schwabsburg.

Fakt ist, dass die Stadt mit dem Wissen der Off-Road-Pläne verkauft hat. Das hat keine Begeisterung ausgelöst. Aber es ist passiert. Die gleiche Stadt, in anderer Besetzung, will das Rad an der Stelle wieder zurückdrehen. Damit ist die Stadt also solche nicht verlässlich gegenüber dem Investor. Diesen mag man mögen oder nicht. Verlässlichkeit ist wichtig, wenn es um Investitionen geht. Besonders dann, wenn der nächste Investor auf der Schwelle steht.

Derzeit steht der erste Beigeordnete im Zentrum der Kritik. Er soll gehen, da er Gespräche geführt hat, die in der Zeitung als „Geheimsache Offroad“ bezeichnet werden. Positiv an seinem Vorstoß ist, dass er eine Lösung finden wollte, um den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck zu ziehen. Negativ ist seine Vorgehensweise, die unglücklich und naiv erscheint. Traurig ist, dass dies als Anlass genommen wird, um richtig auszuteilen. In der Diskussion wird das Negative an diesem Vorgehen betont und thematisiert. Die positive Seite bleibt völlig unbeachtet. Die Angebote für konstruktive Lösungen sind überschaubar. Das nun auch der Anwalt der Stadt keine Lust mehr hat, ist nachvollziehbar.

Meine Perspektive: Aus meiner Erfahrung haben juristische Verfahren immer zwei Verlierer hervorgebracht. Der Dialog – im philosophisch dialektischem Sinne – kann Kompromisse erreichen, die beide Seiten zu Gewinnern machen. Dazu gehören Selbstkritik sowie eine saubere Lageanalyse, Lagebewertung und sachliche Ableitung von Handlungsoptionen. Dies gilt für das innere Verhältnis im Stadtrat ebenso wie im Streit um den Rhein-Selz-Park.

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