Wertschätzung schafft Wertschöpfung

Das Thema „Wertschätzung“ ist kein neues. Aber es erlebt derzeit eine Renaissance. Nicht nur im privaten Bereich, auch in den Unternehmen. Denn Wertschätzung signalisiert, dass wir „dazu gehören“ und unsere Leistungen anerkannt werden. Es ist eine nachhaltige Anerkennung der Mitarbeiter, die langfristig besser wirkt als gute Bezahlung.

Für den Einstieg in das Thema dient eine Frage, um sich selbst zu spiegeln: Was tun Sie bei der ersten Begegnung mit einem anderen Menschen?

Richtig – der berühmte erste Eindruck bestimmt unsere Wahrnehmung des Gegenübers. Aber stimmt der erste Eindruck immer? Wenn die empfundene Sympathie oder auch Abneigung die Bewertung eines anderen Menschen beeinflusst, ist das wertschätzend? Entspricht das unseren Ansprüchen an die Umwelt, wie diese uns wahrnehmen sollte? Getreu dem kategorischen Imperativ von Immanuel Kant, der in der Volksweisheit mündet „Was Du nicht willst, was man Dir tu, dass füge auch keinem anderen zu“ sollten wir die Anerkennung eines Menschen nicht vom ersten Eindruck abhängig machen.

Allzuschnell steckt man Menschen nach der ersten Begegnung in Schubladen.  Dort bleiben sie – manchmal für immer. Wer aber seine Meinung von anderen Personen regelmäßig hinterfragt, kann nur gewinnen. Nämlich dann, wenn man die Perspektive der  Wertschätzung einnimmt.

Warum erlebt die Wertschätzung eine Renaissance?

Zu diesem Thema gibt es verschiedene Studien. So haben dieWertekommission und das Reinhard-Mohn-Institut eine Studie herausgebracht, die verschiedene Dimensionen der Wertschätzung beinhaltet. Eine war die „Wertschätzung und persönliche Weiterentwicklung“. So wünschten sich 43,3 Prozent der Befragten mehr Wertschätzung durch die Führungskräfte. Ganze 13,6 Prozent gaben an, dass diese auch im Unternehmen gelebt wird. Dies führt in der Folge meist zu einer schwachen Bindung und geringeren Einsatzbereitschaft des Mitarbeiters.

Towers Watson veröffentlichte die „Global Workforce Study“, in der die Wertschätzung der Mitarbeiter und die Umsatzrendite des Unternehmens verglichen wurden. Ein Ergebnis war, dass Unternehmen mit nachhaltig engagierten Mitarbeitern eine dreifach höhere Umsatzrendite erzielen.

Wertschätzung führt also zu einer höheren Mitarbeiterbindung und zu einer höheren Wertschöpfung.

Was ist Wertschätzung?

Die Anerkennung der Leistungen eines Mitarbeiters kann auf zwei Wegen erfolgen, dem Lob und der Wertschätzung. Das Lob bezieht sich auf die Handlung. Es wird eine beobachtete Situation bewertet:  „Die Arbeit haben Sie pünktlich verrichtet“. Die Wertschätzung hingegen bezieht sich auf die Person. Es werden Eigenschaften bewertet: „Sie sind sehr zuverlässig“.

Während das Lob also die Handlungsebene abdeckt, bezieht sich die Wertschätzung auf die Ebene des Seins. Das ist wichtig zu wissen, da viele Menschen gewohnt sind, nur auf das Ergebnis zu schauen. Das zu ändern ist ein langwieriger Prozess, bei dem man an sich selber arbeiten muss. Dieser Prozess beginnt damit, dass wir Interesse am Gegenüber zeigen und die Qualitäten der gesamten Person wahrnehmen. Der Lohn ist ein deutlich positiveres Denken, welches zu wertschätzenden Aussagen führt und das Lob nicht nur zur Makulatur macht. Als Einstieg kann es helfen, wenn Sie für jeden Menschen in Ihrer Umgebung zwei Werte notieren, die Sie mit ihm Verbindung bringen.

Wertschätzen bedeutet nicht „Schönreden“

Schönreden sollen Sie sich Kollegen und Mitarbeiter nicht. Aber auch bei Menschen, die persönlich nicht sympathisch sind, können Werte entdeckt werden. Und wenn Sie diese honorieren, kommt auch etwas zurück. Das ergab eine Studie von Kraftwerk Anerkennung OG. Laut dieser Studie werden  50 Prozent der Anerkennung und Wertschätzung gespiegelt. Und da es ein kontinuierlicher Prozess ist, haben Sie gute Chancen, dass daraus 100 Prozent werden können.

Umsetzung im Unternehmen

Prüfen Sie sich selbst und hinterfragen Sie Ihre eigenen Einstellungen. Die Wertschätzung hängt eng mit der Gerechtigkeitsfrage zusammen. Für Unternehmen kann dies bedeuten, dass Mitarbeiter sich gerecht behandelt fühlen, wenn Sie Anerkennung erfahren. Sicher denken jetzt viele, dass Sie ganz selbstverständlich die eigenen Mitarbeiter gerecht behandeln. Aber betrachten Sie sich selber von außen: Die Inspiration entspringt daraus, dass wir Menschen uns als ganzen Menschen angesprochen sehen und fühlen. Wenn sich Führungskräfte das vornehmen, müssen sie mit Interesse und Offenheit agieren. Dadurch entsteht auch eine Verbundenheit zwischen den Menschen – eben eine wertschätzende Beziehung – die Basis für Inspiration, wenn die Werte und Visionen des Unternehmen mit den eigenen sich decken.

Dies kann einen einzelnen Mitarbeiter betreffen, aber auch ein Team oder eine Abteilung. Sie alle leisten einen Beitrag für das Unternehmen und dessen Werte und Visionen. Wenn Sie Führungskraft sind und diese Kultur der Anerkennung vorleben, haben Sie gute Chancen, die Mitarbeiter zu inspirieren und an das Unternehmen zu binden.

 

Dieser Text entstand nach einem interessanten Abend mit Gangolf Neubach aus Mainz. Sollten Sie Interesse an der Umsetzung in Ihrem Betrieb haben, empfehle ich Ihnen die Kontaktaufnahme.

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