Von Unternehmen und Wehrburgen

Damals. Damals war alles besser. Weil einfacher. Besonders in der Kommunikation. Die Presse fest im Blick, glaubten viele Unternehmen, eine gewisse Kontrolle über die Berichterstattung zu haben. Und  heute? Heute ist alles schlecht. Denn irgendwie machen des die Sozialen Netzwerke möglich, dass jeder was schreiben kann. Und was die schreiben, passt nicht in die Unternehmensphilosophie. Diese lautet meist oft: „Burgtore zu“. Doch auch Burgen haben Ihre Bedeutung verloren und ihren Platz für neue Strategien geräumt. So ist es auch in der Kommunikation. Aber nicht erst seit gestern.

„Burgtore zu“ in der Kommunikation steht für die Abwehr in der Kommunikation. Das passt auch perfekt zum Beitrag in Wikipedia :

„Der Begriff Burg bezeichnet in seiner epochenübergreifenden Bedeutung einen in sich geschlossenen, bewohnbaren Wehrbau in FrühgeschichteAntike und Mittelalter. Eine herausragende Rolle spielte die Burg im Mittelalter, da sie als Institution eng mit der Organisationsform der Grundherrschaft verbunden war. Nicht zuletzt wollte man sich von der abhängigen Bevölkerung distanzieren und konnte notfalls das Tor hinter sich zusperren. Die Burg verlor ihre Bedeutung als wehrhaftes Bauwerk im 17. Jahrhundert. Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen ändert sich die Befestigungsform der Burg.“

Sicher hat diese Taktik auch in der Vergangenheit funktioniert, aber die Welt ist stets im Wandel. Auch in der Kommunikation. Hier geht es nicht um Kriegsführung, aber im gewissen Maß auch um die Streitkultur. Die Möglichkeiten der Meinungsäußerungen sind gewachsen, seit SzudiVZ, facebook und auch Blogs die Kanäle dazu geschaffen haben.

Unternehmen, die jetzt noch die Burgtaktik verfolgen, werden zu Zuschauern. Und hier stellt sich die essentielle Frage: Sind Sie Spielball oder Akteur? Bestes Beispiel istKununu. Das Bewertungsportal  bietet Arbeitnehmern die Möglichkeit, den Arbeitgeber zu bewerten. Es sind gewissen Spielregeln zu beachten, die grob mit der bekannten „Gürtellinie“ umschrieben werden können. Alles was darunter ist, kann/darf/soll gelöscht werden. Alles darüber bleibt. Die Definition dieser Linie ist erfahrungsgemäß schwierig, besonders oder gerade bei schlechten Bewertungen.

Wie reagiert man als Unternehmensvertreter in diesem Fall? Löschanträge sind legitim. Ob dem entsprochen wird, hängt von den Aussagen ab und ist nicht gesichert. Darauf antworten und eine Diskussion auslösen und noch mehr Besucher auf die schlechten Bewertungen ziehen? Das mag dem Betreiber gefallen, weil der Bekanntheitsgrad steigt. Aber für das Image des Unternehmens ist es schlecht.

Besser ist es, sich langfristig eine Strategie der internen und externen Kommunikation zu überlegen. Wo will das Unternehmen wie kommunizieren? Aushänge am schwarzen Brett? eine Mitarbeiterzeitung? Intranet? Für die externe Kommunikation ein Newsbereich? ein Blog? Oder Pressemitteilungen auf den diversen Plattformen? Die Bandbreite ist riesig und DIE Lösung gibt es nicht. Wichtig ist aber zu wissen, dass die bisherige Philosophie „Burgtore zu“ das Potential hat, das Unternehmen zum Spielball in der Kommunikation zu machen. Und wer hat schon Lust Getriebene(r) zu sein und nur zu reagieren statt zu agieren?

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